Ming Gräber, alter Sommerpalast, Händlerviertel

Nun, als ich gestern Abend eingeschlafen bin, oder eher Ohnmächtig geworden bin dachte ich noch: „Morgen mal etwas ruhiger“

Nix da ! Wir sind schon wieder früh losgefahren denn heute stand wieder viel auf dem Programm. Auch wenn ich keine Ahnung hatte was auf dem Programm stand hatte mich China gepackt und trotz der Erschöpfunf von gestern und der Hitze von Heute war ich schon wieder maximal gespannt was mich heute erwartet.

Schnell fand ich heraus wohin es ging, zu den Ming Gräbern in der näheren Umgebung von Peking. Ich hatte ja auch eine Liste der Dinge die ich sehen wollte recherchiert und so ziemlich alles was wir „abgehakt“ haben stand auf dieser Liste.

Jetzt erst mal was schlaues über die Ming Gräber:
„Die Ming-Gräber (chinesisch: Shisanling, „Dreizehn Gräber“) liegen etwa 50 km nordwestlich von Peking am Fuß des Tianshou-Gebirges. Dort wurden 13 Kaiser der Ming-Dynastie sowie zahlreiche Kaiserinnen und Konkubinen bestattet. Die Anlage entstand ab 1409 und gehört seit 2003 zum UNESCO-Welterbe.

Besonders bekannt sind:

  • Die Geisterstraße (Spirit Way) mit ihren steinernen Tier- und Beamtenfiguren.
  • Das Changling-Grab, das größte und am besten erhaltene Mausoleum.
  • Das Dingling-Grab, dessen unterirdische Grabkammer ausgegraben wurde und besichtigt werden kann.

Die Gräber wurden nach den Prinzipien des Feng Shui angelegt: Berge schützen die Anlage im Norden, während sich das Gelände nach Süden öffnet. Architektur und Landschaft bilden dabei ein eindrucksvolles Gesamtkunstwerk.

Kurz gesagt: Die Ming-Gräber sind eine der bedeutendsten kaiserlichen Begräbnisstätten Chinas und bieten einen faszinierenden Einblick in die Macht, Kultur und Bestattungsriten der Ming-Kaiser.“

Ok, nun wissen alles worum es geht.
Erste Station: die Grabanlage von Changling.
In der Grabanlage von Changling liegt Kaiser Yongle begraben:
Der Yongle-Kaiser war einer der bedeutendsten Herrscher der chinesischen Ming-Dynastie. Er kam nach einem Bürgerkrieg an die Macht und verlegte die Hauptstadt von Nanjing nach Peking. Unter seiner Herrschaft wurden die Verbotene Stadt und die Ming-Gräber errichtet.
Yongle stärkte die Macht des Kaiserreichs, förderte Handel und Kultur und entsandte die berühmten Seeflotten des Admirals Zheng He auf mehrere große Expeditionen bis nach Indien, Arabien und Ostafrika. Seine Regierungszeit (1402–1424) gilt als eine Blütezeit der Ming-Dynastie.

Die Grabanlagen umfassen jeweils Parks, Seelentürme und Parkanlagen. Schön, wirklich schön !

Kaiser Yongle ist der „Lieblingskaiser“ meiner Reisebegleiterin Xiaqian, darum war sie auch so begeistert als wir das angrenzende „Yongle-Museum“ besucht haben. Hm, hier bei uns hat irgend wie niemand einen Lieblingskaiser … der „alte Fritz“ vielleicht ?

Nach unserem ausgiebigen Besuch der Grabanlage Changling ging es gleich weiter zum nächsten Grab, dieses mal zur Grabanlage Dingling

In Dingling liegt Kaiser Wangli begraben.
Der Wanli-Kaiser war der 13. Kaiser der Ming-Dynastie und regierte fast 48 Jahre – länger als jeder andere Ming-Kaiser. In den ersten Jahren seiner Herrschaft war das Reich politisch stabil und wirtschaftlich erfolgreich.Später zog sich Wanli jedoch zunehmend aus den Regierungsgeschäften zurück, verweigerte oft Audienzen und ließ viele Ämter unbesetzt. Dies schwächte die Verwaltung des Reiches erheblich und trug zum allmählichen Niedergang der Ming-Dynastie bei.

Das besondere an der Anlage in Dingling ist: Sie ist die einzige Grabanlage die geöffnet und betreten werden kann. ALLE ANDEREN Kaisergräber in China sind noch unversehrt und ungeöffnet.

Die Anlage selber wurde nicht so aufwendig wiederaufgebaut wie die Changling, hier ist das geöffnete Grab, der sogenannte „Underground Palace“ die Attraktion.

Der Zugang

Das Grab selber ist gut erhalten aber wenig verziert, die roten Holzsärge des Kaisers und seiner beiden Kaiserinnen sind Rekonstruktionen da die Originale kurz nach der Öffnung 1950 sehr schnell zerfielen.
Und weil mich interessiert hat ob die Kaiserinnen und Konkubinen nach dem Tod des Kaisers automatisch mit dem Kaiser begraben wurden habe ich recherchiert:

„Ob und wie Kaiserinnen und Konkubinen mit dem Kaiser begraben wurden, änderte sich im Laufe der chinesischen Dynastien drastisch und hing stark von ihrem sozialen Status ab.
Dabei muss man strikt zwischen zwei völlig unterschiedlichen historischen Praktiken unterscheiden: der grausamen rituellen Mitbestattung (Menschenopfer) und der regulären, ehrenvollen Bestattung im selben Grabkomplex.

1. Die grausame Praxis: Das rituelle Menschenopfer (Xunzang)
In frühen Epochen sowie zu Beginn einiger späterer Dynastien war es üblich, dass kinderlose Konkubinen und Diener getötet oder lebendig begraben wurden, um dem verstorbenen Kaiser im Jenseits zu dienen:

  • Höhepunkt in der Frühzeit: Besonders extrem war dies in der Shang- und Qin-Dynastie. Als Chinas erster Kaiser Qin Shihuangdi starb, wurden alle seine kinderlosen Konkubinen mit ihm lebendig begraben.
  • Rückkehr in der frühen Ming-Dynastie: Obwohl die Praxis zwischenzeitlich fast verschwunden war, ließen die ersten Ming-Kaiser (darunter auch der in Changling begrabene Yongle-Kaiser) Dutzende ihrer Konkubinen bei ihrem Tod durch Erhängen oder Gift hinrichten, um sie mit in die Gräber einzuschließen.
  • Das Verbot: Erst im Jahr 1464 verbot Ming-Kaiser Yingzong diese brutale Praxis auf seinem Sterbebett endgültig für seine Dynastie. In der darauf folgenden Qing-Dynastie flammte sie kurzzeitig wieder auf, bis sie von Kaiser Kangxi im späten 17. Jahrhundert endgültig und dauerhaft unter Todesstrafe gestellt wurde.

2. Die reguläre Praxis: Wer durfte wo ruhen?
Wenn Frauen nicht geopfert wurden, sondern eines natürlichen Todes starben, gab es im kaiserlichen China eine strikte Hierarchie bezüglich des Grabplatzes:

Niederrangige Konkubinen: Wenn sie kinderlos blieben und der Kaiser starb, wurden sie in vielen Dynastien aus dem Hauptpalast verbannt. Oft mussten sie ihr restliches Leben als taoistische oder buddhistische Nonnen verbringen oder wurden als Wächterinnen und Pflegerinnen an den Gräbern des verstorbenen Kaisers eingesetzt.

Die Kaiserin (Hauptfrau): Sie besaß das exklusive Privileg, im selben unterirdischen Palast (direkt in derselben Grabkammer) an der Seite des Kaisers bestattet zu werden. Ein berühmtes Beispiel ist das zuvor erwähnte Dingling, wo der Wanli-Kaiser zusammen mit seinen zwei Kaiserinnen (Kaiserin Xiaoduan und Kaiserin Xiaojing) in den großen roten Särgen ruhte.

Hochrangige Konkubinen: Sie wurden fast nie in der Hauptkammer des Kaisers bestattet. Stattdessen errichtete man für sie eigene, separate Grabkomplexe (oft „Concubine Tombs“ genannt) in der näheren Umgebung des kaiserlichen Mausoleums. In den Östlichen Qing-Gräbern gibt es beispielsweise riesige, eigene Friedhöfe nur für die kaiserlichen Nebenfrauen.“

Na, schlauer geworden ? Ich finde es spannend.
Interessant fand ich auch dass viele chinesische Besucher da unten Geld auf die Grabplattformen geworfen haben … seltsame Sitte.

Ausser dem eigentlichen Grab gibt es in Dingling noch ein kleines Museum in dem die Grabbeigaben und Kleidung der dort beerdigten ausgestellt wird. Es ist schon faszinierend die originale Kleidung und Krone des Kaisers und der Kaiserinnen zu sehen die sie damals wirklich getragen haben. Ein seltsames Gefühl.

Zu den Ming Gräbern gehört auch der „Seelenweg“

Der Seelenweg (Shendao oder „Heiliger Weg“) ist die feierliche Prozessionsstraße zu den Ming-Gräbern bei Peking. Er ist etwa 7 Kilometer lang und sollte symbolisch den Weg der Seele des verstorbenen Kaisers in die jenseitige Welt darstellen.
Entlang des Weges stehen imposante Steinfiguren: insgesamt 24 Tiere – darunter Elefanten, Kamele, Pferde und Löwen – sowie 12 Beamte und Generäle. Jede Figur ist zweimal vorhanden, einmal stehend und einmal kniend, als Zeichen ihrer ewigen Wachsamkeit gegenüber dem Kaiser.
Der Weg beginnt am Großen Roten Tor und führt durch mehrere Toranlagen bis zu den kaiserlichen Grabanlagen. Die monumentalen Statuen und die von Bäumen gesäumte Allee verleihen dem Seelenweg eine besonders würdige und feierliche Atmosphäre. Er gilt als eines der eindrucksvollsten Beispiele kaiserlicher Grabarchitektur in China.

Nachdem wir usn nun so viel mit verstorbenen beschäftigt hatten wurde es mal langsam Zeit dafür zu sorgen dass wir nicht bald zu ihnen gehören … Zeit fürs Mittagessen ! In China kann alles ausfallen, aber keine Mahlzeit. Chinesen sind da ein klein wenig wie Hobbits.

Nach einem authentischen Mittagessen haben wir kurz an der Tsinghua-Universität angehalten. Diese Uni gilt als eine der besten Universitäten Asiens. Xiaqian hätte sehr gerne an dieser Uni studiert, ein Ziel das für sie aber leider unereichbar ist, an diese Universität zu kommen ist nur sehr wenigen vorbehalten.

Danach ging es weiter im „Programm“
Nächster Halt: Alter Sommerpalast !
So wie wir es nun inzwischen gewohnt waren hat man Xiaqian und mich am Eingang des Parks abgesetzt und wir haben uns den alten Sommerpalast wie immer zu zweit angesehen.
China hat so viele der alten Bauwerke wieder aufgebaut, der alte Sommerpalast wurde bewusst in Ruinen belassen denn es waren westliche Mächte die dort alles zerstört haben.

„Der Alte Sommerpalast (Yuanmingyuan) war die prächtigste kaiserliche Garten- und Palastanlage Chinas. Er lag nordwestlich von Peking und wurde im 18. Jahrhundert unter den Kaisern der Qing-Dynastie ausgebaut. Die Anlage vereinte Paläste, Seen, Gärten und Pavillons auf einer Fläche, die deutlich größer war als die der Verbotenen Stadt.
Besonders bemerkenswert waren die kunstvoll gestalteten Gartenlandschaften und die europäischen Palastbauten, die von Jesuiten am Kaiserhof entworfen wurden. Der Sommerpalast galt als eine der schönsten Residenzen der Welt.
Im Jahr 1860 wurde der Alte Sommerpalast während des Zweiten Opiumkriegs von britischen und französischen Truppen geplündert und anschließend weitgehend niedergebrannt. Heute sind vor allem Ruinen erhalten, die als Mahnmal für diesen Verlust dienen.
Der heutige Besuch des Yuanmingyuan vermittelt einen Eindruck von der einstigen Pracht, aber auch von der Zerstörung eines bedeutenden kulturellen Erbes Chinas.

Der Park und die Ruinen können einem wirklich ein Bild vermitteln wie schön das dort mal war, so viele verschiedene Bauwerke, sogar ein römisches Badehaus … alles von „uns“ geplündert, zerstört und niedergebrannt. Es macht ein wenig traurig, aber lässt einen einen auch peinlich berührt zurück.

Auf dem Weg zum Hotel haben wir noch einmal am Olympiapark angehalten damit meine Frau und ihr Onkel sich das Vogelnest auch einmal ansehen konnten

Zuück im Hotel erst ein duschen und ausruhen. China im Sommer ist auf keinen Fall die optimale Reisezeit, die Temperatur ist hier tagsüber niemals kleiner als 35 Grad, so viel kann man gar nicht trinken wie man schwitzt.

Natürlich war der Tag noch nicht zuende, es stand noch mindestens eine Mahlzeit aus: Heute gibt es Pekingente … Ja, gute Idee ! Wenn man in Peking ist dann sollte man wenigstens einmal Pekingente essen.
Meine Frau meinte zu mir: „Lass doch die große Kamera im Hotel, wir gehen doch nur essen …“ Ich werde mich so lange ärgern bis ich sterbe oder ich noch einmal nach Peking komme, dass ich genau das getan habe !

Wir sind nämlich nicht IRGENDWO essen gegangen, sondern hatten einen Tisch reserviert im berühmten Quanjude Peking-Entenrestaurant auf der Qianmen Strasse
Die Qianmen-Straße liegt direkt südlich der Verbotenen Stadt und des Tian’anmen-Platz. Sie war über Jahrhunderte eine der wichtigsten Geschäftsstraßen Pekings und das Tor zur südlichen Altstadt.
Heute ist Qianmen eine restaurierte Fußgängerzone mit traditioneller chinesischer Architektur, historischen Geschäften, Teehäusern und Restaurants. Besonders bekannt sind alteingesessene Marken wie Tongrentang, eine traditionsreiche Apotheke, und das berühmte Restaurant Quanjude, das für seine Peking-Ente bekannt ist.
Ein markantes Wahrzeichen ist das historische Qianmen-Tor (Zhengyangmen), das einst Teil der Stadtmauer Pekings war. Eine nostalgische Straßenbahn im Stil des frühen 20. Jahrhunderts fährt heute durch die Straße und erinnert an das alte Peking.

… und ich hatte nur meine kleine „Unterwasser-Taschenkamera“ dabei die Abends einfach nur schlecht ist.

Der „Kracher“ war unser Essen bei Quanjude ! Dieses Restaurant steht in jedem Reiseführer, sogar in denen die ich ja bereits entsorgt hatte. Die Ente war auch nicht schlecht aber das ganze war eine totale „Touristenfalle“.


Wir hatten reserviert, mussten aber trotzdem vor der Tür Schlange stehen. OK, kann passieren !


Dann, als wir rein durften hat man uns sofort mitgeteilt dass wir in 45 Minuten wieder verschwinden müssen ! Was ? Um das mal einzuordnen, Quanjude ist preislich DEUTLICH in der gehobenen Klasse in China, man schlachtet hier also gnadenlos seine Berühmtheit aus !
Dann am Tisch: Plastikteller ! ECHT JETZT ?


Wir hatten eigentlich Spaß weil meine Frau sich sagenhaft aufgeregt hat.
Dann der nächste Knaller: Ein traditionelles Entenmenü besteht aus 3 Gängen
1: Die Haut (die wird mit dünnen Pfannkuchen, Gemüse und Austernsauce gegessen
2: Das Fleisch mit Gemüse und Sprossen
3: Die Suppe

Gang 3, die Suppe, wurde uns gleich zu Beginn ungefragt verpackt an den Tisch gebracht … so nach dem Motto: Friss und verschwinde ! Das war heftig !
Nun, wie gesagt: Die Ente war sehr gut, aber die BESTE Pekingente in Peking bei schönem Ambiente geniessen sollte man vielleicht doch besser woanders … wir haben jetzt die berühmteste Ente „weggesnackt“

Aber wir hatten unseren Spaß bei dieser Aktion !

Nach nur so kurzer Zeit kann ich sagen: Ich bin Chinafan … ich liebe dieses Land, die Menschen, die umwerfenden Monumentalbauten des alten China und die Gastfreundschaft (Gut, die von Quanjude jetzt vielleicht nicht !)


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